Vor einer Woche las Moderatorin und Autorin Sarah Kuttner in Hamburg aus ihrem zweiten Roman “Wachstumsschmerz”. Eine Textpassage – die ich schon selbst mit Stirnrunzeln gelesen, aber im freundlichsten Sinne gedeutet habe, wie man so was eben deuten kann, wenn man Kuttner bewundert und nicht als politisch inkorrekt wahrhaben möchte – sorgte allerdings für mehr Trubel als gedacht, denn als sie von ihrer “Negerpuppe” und ihren “Schlauchbootlippen” erzählte und dem Publikum deutlich machte, wie ekelhaft sie dieses Spielzeug fand, tat ein Zuhörer genau das richtige, er rief die Polizei an und erstattete eine Anzeige wegen Beleidigung. Nach der Show wollte er sie zur Rede stellen, doch sie wies ihn nur mit den Worten “Ich muss gar nicht reden, ich rauche gerade.” ab und forderte ihren Manager auf, ihm sein Eintrittsgeld wiederzugeben, “damit er verschwindet”.
Auch später äußerte Kuttner sich nicht mehr zu ihrer Aussage, sondern postete bei Facebook lediglich folgenden Status:
“Achduliebeslieschen Hamburg!
Das war ja wohl das furioseste Lesetour-Finale ever!
Direkt nach dem Signieren kam nämlich die Polizei weil einer von Euch mich angezeigt hat!
Habe eine professionelle Aussage gemacht und werde jetzt wohl Ehrenmitglied der Hamburger Polizei.
Danke für einen irren Abend!”
Anstatt dazu ein klärendes Statement abzugeben, behandelte sie ihr rassistisches Statement wie eine Ordnungswidrigkeit oder eben eine Kleinigkeit, die für übertriebene Reaktionen gesorgt hat, wirkt dabei kindisch, arrogant und profiliert sich auch noch damit.
Laut ihres ehemaligen Kollegen Mola Adebisi sei sie schon damals auf Viva mit ausländerfeindlichen Kommentaren durchgekommen. Eine Seite von Kuttner, die mir selbst vorher nie aufgefallen war. Ich habe sie bisher schlagfertig, witzig, sympathisch und talentiert gefunden, aber wenn ich lese, was für rechte Ansichten sie zum Teil publik macht, wird mir extrem schlecht.
Somit geht die bisherige Enttäuschung des Jahres 2012 an Sarah Kuttner. (Deren Romane immer noch sehr gut sind, aber die als Person bei mir einiges an Ansehen verloren hat.)
Auf ihrer Facebookseite diskutierten ihre (teilweise ehemaligen) Fans ziemlich hitzig, die einen relativierten und zogen das ganze ins Lächerliche, die anderen forderten sie allein wegen ihres ostdeutschen Hintergrundes zum Anti-Rassismus-Training auf.
Was denkt ihr über den Vorfall, ändert das etwas an euerer Meinung zu Sarah Kuttner?
Edit: Bei Spiegel Online ist die Situation noch ein bisschen aus Kuttners Sicht dargestellt. Dass der Verlag, bei dem sie ihre journalistische Karriere angefangen hat, sich auf ihre Seite stellt, ist offensichtlich. Der Vorfall wird eben aus ihrer Sicht dargestellt, nun ist es schwierig zu entscheiden, wer von den beiden Beteiligten die Lage realistischer darstellt.










